Guatemala

Unser Urlaub Anfang des Jahres führte nicht nur durch Mexiko, denn irgendeinmal dazwischen haben wir noch einen Abstecher nach Guatemala gemacht. Dieses Land hatten wir damals während der Weltreise nur kurz auf dem Weg von Belize nach Honduras durchquert. Nicht weil es uns nicht interessiert hätte, sondern weil wir in Honduras einen Termin hatten, um das Tauchbrevet zu absolvieren. Ihr seht, auch wenn man eineinhalb Jahre unterwegs ist, muss man Abstriche machen :). Umso glücklicher sind wir, dass wir diese Lücke nun schliessen und zumindest einen Teil von Guatemala entdecken konnten. Und ja,…auch vor dieser Reise haben uns diverse Leute darauf angesprochen, dass Guatemala nicht ganz ungefährlich sei (was uns natürlich bewusst war). Liest man die Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes, wird einem gar angst und bange – hat man doch das Gefühl, dass eine Reise in dieses Land an Selbstmord grenzt. Guatemalas Bürgerkrieg ist seit gerade mal zwei Jahrzehnten vorbei und heute existiert eine sehr kleine Oberschicht, die sich aus vornehmlich europäisch- stämmigen Bürgern und Mestizen zusammensetzt. Im Gegensatz dazu steht die Mehrheit der indigenen Bevölkerung, die zum grossen Teil unterhalb der Armutsgrenze leben muss. Es ist nur logisch, dass die tragische Vergangenheit des Landes sowie das finanzielle und rechtliche Ungleichgewicht in der Bevölkerung schlussendlich zu grossen Problemen und Gewalt führen muss. Und die Probleme in Guatemala sind schier unendlich…Mangelernährung, Korruption, Gewalt, soziale Diskriminierung…und gerade deswegen finde ich es umso beindruckender, wie unglaublich freundlich, aufgestellt und positiv wir die Guatemalteken kennengelernt haben. Die meisten besitzen wenig bis gar nichts, aber Jeder und Jede war stets freundlich und hat selbst uns „Gringos“ mit einem freundlichen Lächeln und offenen Armen empfangen! Wir haben uns nicht ein einziges Mal unwohl oder unsicher gefühlt, sondern uns im Nachhinein eher ein wenig dafür geschämt, dass wir uns so lange darüber Gedanken gemacht haben, ob und in welche Teile des Landes wir reisen sollten. Ich will hier nichts schönreden, natürlich kann es auch sein, dass wir bis jetzt einfach immer nur „Glück“ hatten, aber ich bin stets der Meinung, dass einem überall auf der Welt etwas passieren kann. Wichtig sind gesunder Menschenverstand, Freundlichkeit, Respekt und ein aufmerksames Auge.

Nach ein paar Tagen der kompletten Entspannung an einem Flecken Erde, welcher kaum an Schönheit zu überbieten ist, sind wir also von Mexiko nach Guatemala City geflogen um einige Tage in Antigua zu verbringen. Das lebendige, bei Spanischschülern beliebte Kolonialstädtchen war nach dem hochpreisigen, leicht „veramerikanisierten“ Tulum ein willkommener Kontrast. Aber auch Antigua ist touristisch gesehen schon sehr weit entwickelt und bietet den Individual- sowie den Gruppentouristen alles, was das Herz begehrt. Hundertjährige, durch Erdbeben gezeichnete Gebäude, Kirchen, wie sie nur die Spanier bauen konnten, farbenfrohe Märkte und Kulinarisches aus allen Herrenländern! Auf einer Kaffeeplantage in der Nähe von Antigua haben wir ausserdem noch gelernt, wie aus einer reifen Kaffeekirsche das wohl bekannteste Getränk der Welt wird (inklusive anschliessendem Espresso-Shot-Testing).

Nach ein paar Tagen ging’s dann mit dem Minibus weiter nach Chichicastenango…da musste ich alleine des Namens wegen unbedingt mal hin :)! Chichicastenango, auch liebevoll Chichi genannt, befindet sich in nördlicher Richtung, ca. 145 km von der Hauptstadt Guatemala City entfernt und liegt auf einer Höhe von 2080 m.

Der Hauptgrund diese Stadt zu besuchen ist der quirlige Markt, der jeweils am Donnerstag und Sonntag stattfindet, vollgepackt mit Stoffen, Früchten, Gemüse, Blumen, Fleisch, Teppichen und und und. Dieser Markt ist einer der bedeutendsten Märkte in Guatemala. Ausserdem ist Chichicastenango für die auch heute noch in und vor der Kirche Santo Tomás praktizierten religiösen Zeremonien, die aus einer Mischung von Katholizismus und alten Maya-Riten bestehen, bekannt. Auf den 18 holprigen Treppen hinauf zur Kirche wird wie zu vorkolumbischer Zeit Kopalharz verbrannt und den Göttern geopfert, Kerzen angezündet und Gebete gesprochen. lmmer raucht oder qualmt es auf den kleinen Altaren und indigene Frauen sitzen auf den Stufen in einem Meer von Blumen, die als Opfergaben verbrannt oder in der Kirche verstreut werden.

Dieser Platz ist das Zentrum des bunten Treibens. Wo heute diese Kirche steht, befand sich einst ein Maya-Tempel. Die 18 Stufen, die die Monate des Maya-Kalenders symbolisieren, stammen aus jener Zeit des alten Königreichs der Quiché.

Ein weiteres Highlight in Chichi war der Friedhof, der wahrscheinlich zu den prächtigsten der Welt gehört.

Bunt an bunt reihen sich dort „Häuschen“ über den Gräbern. Es ist nicht schwer zu erkennen, wer wohlhabend gestorben ist und wer nicht.

Nach den vielen Eindrücken aus Antigua und Chichi war es nun Zeit für Ruhe und Natur, was wir beides am Lago Atitlan gefunden haben. Hier haben wir ein paar Tage in einer wunderschönen Wohnung gehaust, mit Aussicht direkt auf den See…auch von der Dusche und vom Bett aus :)…ich kann Armando und seine "Atitlan Sunset Lodge" wärmstens empfehlen! Wir genossen die schier endlose Weite dieses Sees, die Aussicht auf die Vulkane und die unglaubliche Stille. Lediglich zwischen 6 Uhr morgens und 6 Uhr abends hörten wir die Boote, die immer wieder vorbeifuhren, um Menschen und Güter abzuholen oder abzuladen. Die meisten Dörfer oder Unterkünfte sind nämlich gar nicht anders zu erreichen. Das nächste Dorf von unserer Unterkunft, Santa Cruz la Laguna, erreichten wir nach einem 30-minütiger Spaziergang am See entlang. Es empfiehlt sich sehr, einige der Dörfer rund um den See zu besuchen und die Guatemalteken in ihrem Alltag zu beobachten; Kinder auf dem Schulhausplatz, Frauen spazieren durch die Nachbarschaft um ihr Gemüse zu verkaufen und andere bauen an ihren Häusern.

Zum Schluss unserer Guatemala Reise durften wir noch ein paar Tage zusammen mit der lokalen Helvetas Crew verbringen und einige Projekte besuchen…dazu aber beim nächsten Mal mehr.

Nur eines will ich jetzt schon sagen: Guatemala hat mich zutiefst beeindruckt. Nachdem ich zurück in der Heimat zum ersten Mal joggen war und mich neun von zehn Leuten nicht zurück gegrüsst hatten wünschte ich mir, dass wir Schweizer ein bisschen weniger besitzen, dafür aber einander etwas mehr geben würden…

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